Çağrı Kahveci und Özge Pınar Sarp


Chronik rassistischen Terrors

Als wir über die NSU-Morde und türkische Migrant*innen nachdachten, haben uns die Parallelen zwischen dem Schicksal Nasars und dem Schicksal der vom NSU Getöteten erschüttert. Der rassistische Terror des NSU hinterließ eine verhängnisvolle Zerstörung: bei den Familien, aber auch an einer pluralen, demokratischen Gesellschaft. Die Gewalttaten wiederholen sich musterhaft: Menschen sterben »angekündigt« in aller Öffentlichkeit, ein paar Individuen werden später als Täter festgenommen, die Gesellschaft wäscht sich rein, die Politik fühlt sich erleichtert. Die Hinterbliebenen werden mit den Folgen des Verlustes alleine gelassen.
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Rostock. Die Bilder gingen vor 25 Jahren um die Welt: Am 24. August 1992 belagerten Hunderte Jugendliche und Erwachsene das „Sonnenblumenhaus“ im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. Aus der Menge heraus wurden Steine und Brandsätze geworfen. Etwa 150 Menschen konnten sich nur durch Flucht auf das Dach des Hauses vor dem Feuer retten, darunter 120 Vietnamesen, ein ZDF-Team und einige Rostocker. Dies war der traurige Höhepunkt der vom 22. bis 26. August 1992 andauernden ausländerfeindlichen und rassistischen Krawalle vor der Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber im „Sonnenblumenhaus“ und dem benachbarten Wohnheim für Vietnamesen.
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taz-hamburg, Marco Carini

In seiner Hamburger Wohnung hortete der verstorbene Lutz H. scharfe Waffen, Munition und Nazi-Propaganda. Die Polizei zeigte kein Interesse an dem Material.
Die Wohnung des verstorbenen Lutz H. glich einem Gruselkabinett. An den Wänden prangten ein Dutzend Sturmgewehre und Schnellfeuerwaffen, Regalmeter waren bis unter die Decke vollgestopft mit legaler, aber auch illegaler Nazipropaganda, wie mehrerer Bände der Originalausgabe von Hitlers „Mein Kampf.“ Publikationen, die den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen oder über die Auschwitzlüge schwadronieren, stapeln sich neben Hakenkreuz-Orden und SS-Abzeichen.
An den Wänden hingen Ölbilder von Nazigrößen wie Joseph Goebels und Ernst-Otto Remer, der nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli den Umsturz verhinderte. Daneben prangte ein Gemälde eines mit Orden hoch dekorierten Anders Behring Breivik, des norwegischen Rechtsterroristen, der im Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen erschoss.

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nord-taz, Katharina Schipowski
Nach drei Jahren bilanziert der Senat den Stand der Aufarbeitung von Hamburgs kolonialer Vergangenheit. Linksfraktion nennt Ergebnisse „peinlich“
Das Vorhaben war groß, die Bilanz fällt mager aus. Nicht eine einzige nach Kolonialherren benannte Straße wurde offiziell umbenannt, seit der Senat 2014 die Aufarbeitung von Hamburgs Kolonialvergangenheit versprochen hat. Auf Initiative des Arbeitskreises Hamburg Postkolonial und auf ein fraktionsübergreifendes bürgerschaftliches Ersuchen hin hatte der Senat vor drei Jahren das „Koloniale Erinnerungskonzept“ für einen „Neustart der Erinnerungskultur“ erarbeitet. Ziel war es, eine Aufarbeitung der Kolonialgeschichte anzustoßen und eine Debatte zum postkolonialen Erbe zu führen.

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Peter Ulrich Meyer

Die rechtsextreme NPD darf nun doch im Wahlkreis 18 Hamburg-Mitte mit Direktkandidaten zur Bundestagswahl am 24. September antreten. Das hat der Landeswahlausschuss am gestrigen Mittwoch entschieden. Die Partei hat gegen die Entscheidung des Kreiswahlausschusses, den Wahlvorschlag nicht zuzulassen, mit Erfolg Beschwerde eingelegt. Dagegen wurde die Beschwerde eines AfD-Mitglieds gegen die Zulassung des Wahlvorschlags der AfD im Wahlkreis 21 Hamburg-Nord verworfen.

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