Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne leiten wir Ihnen die unten stehende PM der Antifaschistischen
Initiative Heidelberg (AIH) zu der Vergangenheit von Herrn Ahlhaus weiter.

Mit freundlichen Grüßen
Hamburger Bündnis gegen Rechts

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Christoph Ahlhaus war entgegen seiner Angaben höchst aktiv im rechten
Verbindungsmilieu

Heidelberg,28.07.2010

Christoph Ahlhaus, Hamburger Innensenator, hat durch seinen
Pressesprecher verkünden lassen, er sei „lediglich einige Male Gast“ der
Turnerschaft Ghibellinia gewesen. Das ist unwahr.

Ahlhaus war keineswegs nur am Rande in der Turnerschaft Ghibellinia
involviert.

Er war seit Beendigung seines Studiums 1999 Mitglied der schlagenden
„Turnerschaft Ghibellinia“ im Coburger Convent (CC). Seit seinem
Eintritt in die Heidelberger Junge Union im Jahr 1980 war ihm das Milieu
der Heidelberger Korporationen bestens vertraut. Ihm waren die
nationalistischen und revisionistischen Ausfälle des CC ebenso bekannt wie
die Tatsache, dass sich auf dem Haus der Ghibellinia in den 1990er Jahren
ein Lesekreis der Rechtsaußen-Postille „Junge Freiheit“ traf und beste
Kontakte bis hin ins rechtsextremistische Lager gepflegt wurden.

Bereits im Jahr 2001 setzte Ahlhaus sich innerhalb der Heidelberger
Korporationen für eine Wiederbelebung des Heidelberger „Maiansingens“ ein.
Bei dieser Veranstaltung wurde regelmäßig bei Fackelschein die erste
Strophe des Deutschlandliedes gesungen. Organisiert wurde dieses
Schauspiel bis1996 maßgeblich von der Burschenschaft Normannia, die immer
wieder durch ihre enge Einbindung in die neonazistische Szene aufgefallen
war. Immer wieder machte die „Normannia“ beispielsweise durch
Veranstaltungen mit Holocaustleugnern und verurteilten
Rechtsterroristen Schlagzeilen. Seit 1997 gehört das Maiansingen dank
vielfältiger antifaschistischer Aktivitäten der Vergangenheit an. Herrn
Ahlhaus war im Jahr 2001 also durchaus klar, welche Klientel er da zu
bedienen versuchte und welche Auseinandersetzungen er förderte.

Auch bei anderen Gelegenheiten versuchte Ahlhaus in seiner Zeit bei der
Ghibellinia, im rechten Lager zu punkten: Am 10.11.2003 forderte er als
kommunalpolitischer Sprecher der Heidelberger CDU die Stadtverwaltung auf,
die jährliche Gedenkveranstaltung, die der DGB in Erinnerung an die von
den Nazis ermordeten WiderstandskämpferInnen durchführt, zu
unterbinden, da „rote Fahnen auf dem Bergfriedhof nichts zu suchen“
hätten. Das Gedenken an die Mitglieder des Widerstands bezeichnete er in
seiner Presseerklärung als „Hetzveranstaltung“, die an
„Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten“ sei. Zugleich propagierte er die
Teilnahme studentischer Korporationen am städtischen Heldengedenken auf
dem von den Nationalsozialisten erbauten „Ehrenfriedhof“ in Heidelberg.

Noch im vergangenen Jahr verkündete Ahlhaus bei einem Treffen von
Rüstungslobbyisten und Militärs am 15.05.2009 in Heidelberg, er sei stolz
auf seinen Ruf als „harter Hund“ und forderte die Legalisierung des
Bundeswehreinsatzes im Inneren: Die Trennung zwischen innerer und äußerer
Sicherheit sei „verfassungsrechtlicher und politischer Ballast“, der
„heute mit der aktuellen Bedrohungssituation unvereinbar ist.“

Wenn Ahlhaus in den letzten Tagen – auf die benötigten Stimmen der Grünen
hoffend – versucht, seine Rolle in der schlagenden Verbindung Ghibellinia
und am rechten Rand der CDU kleinzureden, dann verbiegt er ganz bewusst
die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit.

Antifaschistische Initiative Heidelberg (AIHD)
15.07.2010