Am zweiten Juniwochenende startete der „AfD-Kreisverband Mecklenburg-Schwerin“ offiziell in den Wahlkampf. Anwesend war nicht nur „prominente Verstärkung“, wie man auf Facebook hervor hebt, sondern auch einschlägig bekannte Personen. Zuerst berichtete darüber die Fachjournalistin Andrea Röpke beim "Blick nach Rechts". Auf einem Gruppen-Foto präsentiert sich Alexander Gauland, Vize-Chef der AfD und rechtspopulistischer Einpeitscher neben dem ehemaligen Spitzenkandidaten der Hamburger NPD Björn J. Neumann.

Das ehemalige DVU-Mitglied Neumann kandidierte laut dem Hamburger Verfassungsschutzbericht 2011 bei den Bürgerschaftswahlen des Jahres aus Platz zwei der Liste der Nationaldemokraten. Das „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ hatte schon im September 2014 darauf hingewiesen, dass Neumann beim Hamburger Landesverband der AfD untergekommen war . Laut damaliger Auskunft eines Herrn Körner aus der Hamburger Parteizentrale der AfD, sei Neumann seit der Gründungszeit Mitglied und es liefe damals seit Monaten ein Ausschlussverfahren. Ob Björn J. Neumann wirklich ausgeschlossen wurde hat die Hamburger AfD nie öffentlich bekundet.

Auf jeden Fall hält Neumann immer noch guten Kontakt zur NPD. Im Juli 2015  amüsierte er sich ausgelassen auf dem Sommerfest der NPD-Parteizentrale in Berlin-Köpenick. Und auch bei der AfD scheint er nun in zentrale Kreise aufgerückt zu sein, ob offiziell Mitglied oder nicht. Wer an einem internen Wahlkampfauftakt der AfD teilnimmt und sich gleich neben dem Vizechef positionieren darf, dürfte so unbekannt nicht sein. Aber vielleicht war die Nähe zu Gauland nicht nur körperlich, sondern auch weltanschaulich. Schließlich warb Gauland erst vor kurzem mit dem NPD-Slogan „Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land.“

Ebenfalls aufschlussreich ist der Ort, wo die Parteiveranstaltung stattfand, Schloss Jessenitz von Philip Steinbeck. 2008 wurde durch die Fachjournalistin Andrea Röpke öffentlich gemacht, dass der Schlossherr enge Kontakte zur NPD pflegte. Bezüglich dem NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs bestätigte denn Steinbeck 2008 auch, dieser sein ihm als Nachbar und früherer „Haus- und Hof-Juwelier“ bestens bekannt, „Er und seine Frau sind mir sehr sympathisch – rein menschlich.“ Die Ex-Hamburger Philip Steinbeck und sein Geschäftspartner Christian Schöppe, welche mit viel Aufwand das Schloss Jesenitz renovierten waren 2008 auch dem Hamburger VS-Chef bekannt. „Beide Namen tauchen immer wieder auf“, bestätigte damals Heino Vahldieck. Steinbeck und Schöppe waren bis 2008 auch Mitglieder der Hamburger Burschenschaft Hansea. Und auf einer geleakten NPD-Spenderlister tauchte der Name Philip Steinbeck 2011 auf.

Außerdem soll Steinbeck laut einer Anti-NPD-Broschüre der Gewerkschaft verdi und der Gruppe Avanti schon Anfang der 1990er Jahre Wehrsportübungen für Hamburger Neonazis organisiert haben.

Für die AfD ergeben sich jetzt viele Fragen:

- Sind die Herren Neumann und Steinbeck Mitglieder, Finanziers oder sonstige Unterstützer der Partei?

- Wurde Herr Neumann eigentlich jemals aus dem Hamburger Landesverband ausgeschlossen?

- Wie eng ist der Kontakt des NPD-Umfeldes zur AfD in Mecklenburg-Vorpommern?

Hamburger Bündnis gegen Rechts