Jan Zimmermann (36) war Jahre lang für die Hamburger NPD tätig, so fiel er im Januar 2011 durch die Beteiligung an einer brutalen Wahlkampfaktion auf, nun hat er im Thüringischen Eisenach ein zweistöckiges Haus mit Ladengeschäft erworben, welches wahrscheinlich die neue Landeszentrale der Partei werden soll.
Die Behörden hatten diesen erneuten Immobilienerwerb der Nazis verschlafen. Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag: „Erneut versagten die vermeintlichen Frühwarnsysteme des Freistaates Thüringen. Weder das Innenministerium noch der Verfassungsschutz waren in der Lage, die Anzeichen für einen beabsichtigten Hauskauf durch Neonazis zu erkennen bzw. entsprechend zu agieren und die Stadt Eisenach zu warnen.“
Zimmermann kandidierte schon 2004 für die Hamburger NPD zur Bürgerschaft, nahm regelmäßig an Aufmärschen und Aktionen der Partei teil, betätigte sich als Ordner und kandidierte weiterhin zu Bürgerschafts- und Landtagswahlen. Auch besetzte er in der Vergangenheit verschiedene Ämter in der Partei, so als Beisitzer im Landesvorstand, als Kreisvorsitzender in Hamburg-Eimsbüttel und 2007/08 als Landesorganisationsleiter der NPD.

Ebenso war er 2010 Vorsitzender des NPD-Tarnvereins "Pro Hamburg". Auch mit der Polizei kam der ehemalige Fachhochschulstudent schon früh in Konflikt. 2006 war er verantwortlich für einen Infostand der Nazipartei. Als die Polizei diesen räumte, beschimpfte er die Polizeiführung als "unzurechnungsfähig und blöd im Kopf", was ihm ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung einbrachte. Im Bürgerschaftswahlkampf 2011 wurde er auffällig, als er zusammen mit dem heutigen Landesvorsitzenden Thomas Wulff und dem Aktivisten Kay-Ole Klebe Plakate für die NPD aufhängte. Ein Ladenbesitzer protestierte dagegen und wurde von Klebe mit einem Beil und den Worten "soll ich Dich umhacken?" bedroht. In einem Gerichtsprozess vor dem Amtsgericht St. Georg wurden Wulff und Klebe im Juni 2012 verurteilt, Zimmermann sagte als Zeuge aus. Staatsanwältin und Richterin nannten die Aussage des NDPlers „floskelhaft“ und „wie auswendig gelernt“.
Zuletzt zeichnete der 36-jährige 2013 für die NPD-Wahlkampfzeitung "Klartext Hamburg" verantwortlich, inzwischen soll er einen Wohnsitz in Baden-Württemberg haben. Woher die sechsstellige Summe zum Erwerb des Hauses in zentraler Lage in Eisenach stammt, ist unklar, die Partei gilt als chronisch klamm. Das strategische Vorgehen des Immobilienerwerbs zeigt jedoch, dass die NPD bundesweit gut vernetzt ist, man wohlmöglich bewusst einen ortsfremden Käufer vorschickte. Die Abgeordnete König hofft, „dass die Stadt Eisenach nun jede nur mögliche Unterstützung erfahren wird, um gegen das neue Neonazi-Objekt in Thüringen vorzugehen“.