Hintergrund

Der „Freundeskreises im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992“ stellt sich vor:  

 

Für uns als Überlebende des Brandanschlags ist es wichtig, die Erinnerung zurück zu erkämpfen – an das Geschehene, an das Vergessene, an das Verschwiegene, an das unter den Teppich Gekehrte, an die Ursache und die Folgen, an das Davor und das Danach.  

Indem wir die Erinnerung lebendig halten, rücken wir unsere Perspektive als Opfer und Überlebende in den Vordergrund. Bis Heute versuchen Andere zu bestimmen, wie an das Geschehene gedacht wird. Bis Heute versuchen Andere zu vereinnahmen, wie über das Geschehene gesprochen wird. Sie diffamieren damit die Opfer. Unsere Vorstellungen von Erinnerung sollen Maßstab für das Gedenken an den 23. November 1992 sein. 

Für uns als Freunde der Überlebenden ist es wichtig, ihre Stimmen zu verstärken und zu vervielfältigen. Die Überlebenden rassistischer und faschistischer Gewalt sind keine Statisten. Sie mundtot zu machen, ist ein Angriff gegen sie als Zeugen des Geschehenen und gegen ihre Erinnerungspolitik/ihr Erinnern. Dem Angriff treten wir gemeinsam entgegen - für eine antifaschistische und antirassistische Gesellschaft. 


Hintergrund

Das Haus der Familie Arslan wurde am 23.11.1992 von rechtsextremen Tätern mit Molotow-Cocktails angezündet. Bei dem Brandanschlag wurden die  10jährige Tochter Yeliz Arslan, die 11jährige Nichte von Frau Arslan,  Ayse Yilmaz und die Mutter von Herrn Arslan, Bahide Arslan ermordet. Der  damals 7jährige Sohn Ibrahim wurde aus dem abgebrannten Haus nach dem Ende der Löscharbeiten gerettet. Seine Großmutter hatte ihn in ein  nasses Tuch gewickelt und so retten können. Hava Arslan konnte den  damals sechs Monate alten Namik nur retten, indem sie ihn aus dem  Fenster des 2. Stockwerks in die Arme von Helfenden warf und selbst  hinterher sprang. Die überlebenden Familienmitglieder sind bis heute schwer traumatisiert.

Anfangs verdächtigte die Polizei Faruk Arslan persönlich, den Brandanschlag verübt zu haben. Dann suchte sie in der türkischen Bevölkerung Möllns nach den Tätern.  Schließlich wurden die Täter Michael Peters und Lars Christiansen, die beide der neofaschistischen Skinhead-Szene angehören, gefasst. Im Dezember 1993 verurteilte sie das Oberlandesgericht Schleswig nach 47 Verhandlungstagen wegen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung zu Höchststrafen. Peters (damals 25) zu einer lebenslangen und Christiansen (damals 19) nach Jugendstrafrecht zu 10 Jahren Freiheitsstrafe. Als Chef einer Neonazigruppe war Peters bereits zuvor an zwei versuchten Brandanschlägen auf Asylbewerberunterkünfte in Gudow und Kollow beteiligt gewesen. Beide widerriefen ihre vorherigen Geständnisse. Mittlerweile sind beide Täter aus der Haft entlassen. 

Die Situation in Mölln

Einige Freundinnen und Freunde begleiten Familie Arslan seit vielen Jahren und sind Zeugen des Umgangs mit der Familie von Seiten der Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch der Stadtverwaltung Möllns. Viele Jahre lang wurde die Familie an den Gedenktagen übergangen, nicht begrüßt und an der Vorbereitung nicht beteiligt. In den letzten Jahren hat sich die Situation verbessert. Seitdem sie Freunde gewinnen konnten, die sie begleiten, können sich die Überlebenden mehr Gehör verschaffen. Zum 20. Jahrestag haben wir jetzt den Freundeskreis geschaffen, um das Gedenken jetzt und in den kommenden Jahren im Sinne der Überlebenden, antirassistisch und antifaschistisch, zu gestalten.


Konzert im Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayse Yilmaz

In der Öffentlichkeit soll endlich die Stimme der Überlebenden gehört werden. Die antifaschistischen Strukturen der Gegend sollen unterstützt und die zivilgesellschaftlichen mobilisiert werden.

Den Wunsch der Familie unterstützen bereits namhafte Künstlerinnen, Künstler, Kulturschaffende und zahlreiche Freundinnen und Freunde, die sich an der Konzertorganisation und - durchführung beteiligen. Die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler entspricht der antirassistischen Ausrichtung der Veranstaltung. 

Das Konzert ist durchgehend unkommerziell und parteiunabhängig geplant. Alle Freiwilligen werden an diesem Tag ehrenamtlich arbeiten. Die Künstlerinnen und Künstler verzichten auf ihre Gagen. 

Der Eintrittspreis wird eine Spende zur Mitfinanzierung der Kosten des Konzertes betragen. Getränke sollen zum leicht erhöhten Selbstkostenpreis für selbigen Zweck verkauft werden. 

In der älteren Sporthalle neben der Stadtwerke Arena wird für alle Teilnehmenden der Demonstration und weitere Besucherinnen und Besucher das Konzert live übertragen werden. Zahlreiche antirassistische und antifaschistische Initiativen werden sich dort präsentieren und über ihre Arbeit und Ziele informieren. Der Eintritt in diesen Bereich der Veranstaltung ist kostenfrei. Wir hoffen, mit der Veranstaltung das Bewusstsein der Besuchenden für ein Engagement gegen Rassismus und Neofaschismus zu stärken und wollen Ihnen die Gelegenheit geben, sich über die Möglichkeiten politischen und gesellschaftlichen Engagements  zu informieren.

Mit dem Konzert soll gerade ein jüngeres Publikum erreicht werden, sowohl das ortsansässige, als auch das der umliegenden Städte wie Hamburg oder Lübeck.

Basisdaten

Künstlerinnen und Künstler:

Murat Kayi
Neonschwarz
Sisters
Jan Delay feat. Delaydies & DJ Mad

Datum: 17.11.2012  im Anschluss an die bundesweite antifaschistische Demonstration

Ort: Mölln, Stadtwerke Arena auf dem Schulberg-Gelände

Veranstaltungszeit: 16:00h – 21:00h

erwartete Besucherinnenzahl:  2.000 Personen