Sa. 10.04.2010

NPD-Kundgebung in Barmbek

 


Danke NPD, Danke!

Wer am Samstag dem 10. April als PassantIn oder NazigegnerIn nach Barmbek kam, dem bot die  NPD ein Beispiel für Realsatire der feinsten Art:


Um kurz nach 10.00 Uhr rumpelte ein altersschwaches Wohnmobil aus Kiel auf den Bürgersteig, obendrauf eine Lautsprecheranlage von musealer Qualität. Aus anderen Bundesländern musste jedoch nicht nur die nötige Infrastruktur importiert werden, da sie in Hamburg seit Jahren fehlt, sondern auch ein Teil der braunen Claqueure war extra von außerhalb angereist. Trotzdem wurden es keine 30 Nazis, die sich  hinter dem Transparent „Ein junges Volk steht auf zum Sturm bereit“ sammelten. Man mochte noch darüber hinweg sehen, dass viele Nazis schon deutlich das Jugendalter überschritten hatten – ein Sturm war die Kundgebung  beim besten Willen nicht. Während die einen - noch immer oder schon wieder – ein paar Promille intus  hatten, posierten andere als Nazi-Clowns mit Basecap und schwarzem Outfit. Das ist wohl Bürgernähe á la NPD.

Nach der Anmoderation durch Christian Worch, ja in der Not mobilisiert man auch die ärgsten Kritiker, durfte Hermann Gutschke  den ersten Redebeitrag halten. Er langweilte das Publikum mit Details aus seiner Tätigkeit als Ratsherr in Kiel, seinen Ansichten über verurteilte Holocaustleugner („politische Dissidenten“) und das „alliierte Besatzungsregime.“  Moderate BarmbekerInnen schüttelten ungläubig die Köpfe, während zwei ältere Damen wahlweise „verdreschen“ oder „Bombe rein schmeißen“ empfahlen.

Anschließend hatte Raphael Niemann, Shooting-Star der Hamburger Gurkentruppe , seinen Auftritt. Er hat es nicht so mit dem AN-Chic, sondern pflegt noch immer den guten Seitenscheitel aus vergangegen Tagen. Nicht nur die Haartracht, auch die Rhetorik des großen Vorbildes wollte er  gerne immitieren. Allein, es kam nur ein verzerrtes Gebrüll und Geblöke aus dem Lautsprecher. Der nun zusätzlich anschwellende Protest aus vielen Kehlen und Trillerpfeifen ließ Klein-Adolfs Tiraden vollends unverständlich werden. Die sich überschlagenden Misstöne waren nicht nur eine Beleidigung für die Ohren, sondern wohl auch zuviel für die marode Lautsprecheranlage. Mitten in der Rede blieb sie stumm –  und das für den Rest des Tages. Tapfer hielt die deutsche Jugend noch durch,  jetzt drang allerdings gar kein Laut mehr über das Polizeispalier.

Ihren krönenden Abschluss fand die Kundgebung nach nur 45 Minuten im erneuten Auftritt des alternden Straßenkämpen Worch. Sichtlich mit den Gesetzen der Schwerkraft kämpfend, mühte er sich, unter hämischen Kommentaren der immer zahlreicher werdenden Zuschauer, auf das Dach des Lautsprecherwagens zu kommen. Schließlich siegte die Schwerkraft und Kamerad Niemann musste die nutzlos gewordene Anlage demontieren. Vollends frustriert trottelte die „arische Elite“ unter Polizeischutz und lauten Nazis-raus-Rufen zum Bahnhof.
 
Liebe NPD,  manchmal war es ja ehrlich gesagt schon langweilig immer wieder vor Euren doofen Infoständen und Kundgebungen zu protestieren. Heute hat es allerdings mal wieder richtig Spaß gemacht. Bitte kündigt die nächste Vorführung doch rechtzeitig an, dann bringen wir noch ein paar mehr ZuschauerInnen mit, oder die Leute von Titanic oder die von Extra-3...



auch lesen:
NPD-Blog: 10.04.10 Neanazi schreit Lautsprecheranlage kaputt
Junge Welt: 14.04.10 Niederlage für braune Truppe

taz, 27.02.10, Kampf um NPD-Stand in Barmbek
 

Mopo, 23.01.10 NPD darf keine Stände aufbauen