Amory Burchard


Forschung und Lehre zum millionenfachen Judenmord sind in Deutschland gut etabliert, sollte man meinen. Im Land der Täter verbindet sich die wissenschaftliche Aufarbeitung des Holocaust mit Namen wie Wolfgang Benz, dem früheren Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, oder anderen renommierten NS-Forschern wie Hans Mommsen und Norbert Frei. Und doch wurde am Mittwoch in Frankfurt Sybille Steinbacher als Inhaberin der „bundesweit ersten Professur für Holocaust-Forschung“ vorgestellt. Tatsächlich handelt es sich um die erste Professur in Deutschland, die ausschließlich auf die Shoa ausgerichtet ist.
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Claus Günther (86) ist einer der letzten Zeitzeugen, die noch über die Nazizeit erzählen können. Er hat gesehen, wie am Abend des 10. November 1938 die Synagoge in Harburg brannte. Nicht einmal acht Jahre alt war er damals. „Mein Vater war bei der SA und hat bei der Absperrung der brennenden Synagoge geholfen.“
Heute berichtet Günther, der seit vielen Jahren in Stellingen wohnt, als Zeitzeuge in Schulen über die Schrecken der Nazi-Zeit. Er kann erzählen, wie es war, als Bomben auf Hamburg fielen. Und er kann erzählen, wie leicht junge Menschen Hetze übernehmen, weil es fast alle um sie herum auch tun.
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Die Akzeptanz rechtsextremer Einstellungen in Teilen der Bevölkerung macht deutlich, dass Facetten von Rechtsextremismus nicht nur "rechtsaußen", sondern "mittendrin" in unserer Gesellschaft sind. Doch was ist eigentlich "Rechtsextremismus"? Welche unterschiedlichen Ausprägungsformen gibt es? Wie verbreitet sind rechtsextreme Einstellungen, wie entstehen sie und warum ist eine rechtsextreme Erlebniswelt besonders für viele Jugendliche so attraktiv? Und vor allem: Was kann man gegen Rechtsextremismus tun?
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taz-nord, Andreas Speit

Der rechtsextremen Burschenschaft Germania fehlt nun ein „Alter Herr“. Ramon-Stefan Schmidt, Ehrenvorsitzender des Reservistenverbandes der Bundeswehr in Hamburg, ist aus dem Bund ausgetreten. In der vergangenen Woche hatte die taz bei der Landesgeschäftsstelle des Verbandes nachgefragt. Die „Germanen“ bewegen sich seit Jahren im weit rechten Milieu, hatten Beziehungen zur NPD und haben Verbindungen zur „Identitären Bewegung“.
„Dass Herr Schmidt einen verbindungsstudentischen Hintergrund hat, ist mir bekannt“, sagte Geschäftsführer Harald Zeng der taz. Er hätte aber den Oberstleutnant der Reserve, der auch den Landesreservistenverband mit rund 2.200 Mitgliedern acht Jahre lang führte, nie gefragt, in welcher Burschenschaft er wäre. Dann ging es ganz schnell. Zeng erklärte am Freitag die Sache sei erledigt, Schmidt hätte sich von der Burschenschaft getrennt. Ein Glück für den Reservistenverband, denn nicht immer ziehen Reservisten mit rechten Verbindungen Konsequenzen.

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Am vergangenen Samstag, den 13.05.2017, fand im Clubheim des „Bandido MC Northgate", dem sogenannten „Kuddel's Inn“ im schleswig-holsteinischen Wahlstedt ein Neonazi-Konzert mit den Bands „Kategorie C“ und „Hausverbot“ statt [1]. Die zuvor im Internet beworbene Veranstaltung entwickelte sich zum Stell-Dich-ein der organisierten Neonaziszene im Norden und offenbarte abermals die Verbindungen in die organisierte Kriminalität, insbesondere ins Rocker-Milieu. So schienen die Räumlichkeiten des „Bandido MCs“ nicht zufällig gewählt. Deren Mitglieder beteiligten sich aktiv an der Ausrichtung des Events, so übernahmen sie die Schleusung anreisender Neonazis und versuchten anwesende Journalist_innen bei der Dokumentation zu behindern.

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