Die "Reichsbürger- und Selbstverwalter"-Szene in Hamburg ist deutlich größer als bislang angenommen. Nach umfangreichen Ermittlungen gehe der Verfassungsschutz jetzt von 80 statt 50 "Reichsbürgern" in der Hansestadt aus. Etwa zehn Prozent von ihnen seien dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen, sagte ein Verfassungsschutzsprecher der Deutschen Presse-Agentur.

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Pressemitteilung der Barmbeker Initiative gegen Rechts

Mitglieder der Barmbeker Initiative gegen Rechts haben heute Vormittag, wie auch schon vor 14 Tagen, an der Kreuzung Hartzloh/Fuhle vor dem Wochenmarkt Infomaterial über den Thor Steinar vertreibenden Bekleidungsladen, Nordic Company, verteilt. In Flyern informieren wird darüber, dass Thor Steinar eine gewaltverherrlichende Modemarke ist und aufgrund der Verwendung mehrdeutiger Symbolik (Runen) sowie deutlichen Bezügen zum Faschismus bei Nazis und Rechtsextremen sehr beliebt ist. „Uns ist es wichtig, den Barmbekerinnen und Barmbeker bewusst zu machen, dass nicht nur der Vertrieb ihrer Klamotten Grund für Protest liefert, sondern vor allem die Tatsache, dass der Laden einen Treff- und Bezugspunkt für die rechtsextreme Szene darstellt und zur Ideologisierung gemäßigter Rechter zum Extremismus dient“, betont Andrea K., Mitglied der Barmbeker Initiative gegen Rechts.

Felix Krebs

Vor ein paar Wochen wurde in Hamburg bekannt, dass Jochen Schmutzler, früher 30 Jahre lang tief verwurzelt in der Naziszene, wieder an einer staatlichen Hamburger Grundschule arbeitet. Obwohl an der Schule eine Debatte begann, in der taz und der Morgenpost berichtet wurde, die Opferberatung „empower“ involviert war und es eine parlamentarische Anfrage an den Senat gab, bleiben die wesentlichen Fragen weiterhin unbeantwortet: Nämlich ob Schmutzler mit seiner Überzeugung gebrochen hat, warum er hartnäckig schweigt und wie sich die Behörden verhalten haben. Der Autor war vor 10 Jahren maßgeblich an dem Outing des Ehepaars Schmutzler beteiligt und beobachtet weiterhin kritisch die extreme Rechte, sowie den behördlichen Umgang mit dieser in Hamburg.

Die Vorgeschichte

Das Lehrerehepaar Jochen und Karin waren 2007, als ihre Umtriebe bekannt wurden, seit Jahrzehnten in der Naziszene aktiv gewesen. Jochen Schmutzler hatte schon als Student 1987 für die NPD kandidiert, 1989 die neofaschistische „Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ (PB Chattia) erst im hessischen Friedberg gegründet und dann mit seinem Umzug in die Hansestadt Anfang der 1990er Jahre dort maßgeblich fortgeführt. Ausführliche Informationen über das Ehepaar wurden 2007 bundesweit durch große Medien veröffentlicht. Wenn es aus dem Umfeld von Herrn Schmutzler heute heisst, er hätte nie ein öffentliches Amt für Naziparteien angetreten und zuletzt vor 40 Jahren für die NPD kandidiert, so ist dieses formal richtig. Es verkennt jedoch die Tatsache dass beide Schmutzlers Kaderfunktionen für weltanschauliche Hintergrundorganisationen über Jahrzehnte ausgeübt hatten. Ein öffentliches Auftreten z.B. für die REP oder die NPD wäre wahrscheinlich schon wesentlich früher ein Hinderungsgrund für eine pädagogische Ausbildung oder Tätigkeit gewesen. Die PB Chattia meidet zwar öffentliches Auftreten, wie Aufmärsche, Kundgebungen usw., hat als schlagende Schülerburschenschaft jedoch eine wichtige Aufgabe in der Sozialisation rechten Nachwuchses. Außerdem waren bzw. sind in der Chattia diverse Neonazis mit NPD-Parteibuch, darunter so prominente wie der NPD-Funktionär Thorsten Heise. Im Haus der Schmutzlers fanden vor zehn Jahren noch Treffen mit ehemaligen SS-Soldaten oder einem Hamburger Auschwitzleugner statt, der den Schmutzlers und ihren Gästen von einer Holocaustleugner-Konferenz in Teheran berichtete. Nicht umsonst wird die Chattia bis heute vom Inlandsgeheimdienst beobachtet. Es kann als sehr wahrscheinlich gelten, dass die beiden Pädagogen auch ihre eigenen Kinder im Sinne ihrer völkischen Ideologie erzogen. Der älteste, Friedrich Wilhelm Schmutzler war früher laut eigenen Angaben bei der inzwischen verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ seiner Mutter Mitglied, sowie in der Jugendorganisation der NPD. In der Naziburschenschaft, die sein Vater gründete, ist er bis heute. Zwei weitere Kinder der Schmutzlers tragen nordische Namen - in völkischen Sippen nicht ungewöhnlich.

Mopo
Sie wurde ruhiggestellt, gequält und zwangssterilisiert: Was Dorothea Buck als psychisch Erkrankte während der NS-Zeit erlebte, ist ungeheuerlich. Aber sie ließ sich nicht unterkriegen. Statt aufzugeben, kämpft sie seither für Veränderungen in der Psychiatrie – und ist damit ein beeindruckendes Vorbild. Am Mittwoch wird sie 100 Jahre alt.
Als 19-Jährige wurde Dorothea Buck in die Psychiatrie eingewiesen. Sie hatte sich unglücklich in einen verheirateten Chorleiter verliebt. Damit begann ihre Erkrankung, wie sie 1990 in ihrem Erlebnisbericht „Auf der Spur Morgensterns. Psychose als Selbstfindung“ schreibt.
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ZEIT-online, Richard Erche und Tilman Steffen

Viele AfD-Abgeordnete sind Teil rechter Burschenschaften. Auch als Arbeitgeber zieht die Partei inzwischen Burschenschafter an – und schadet sich damit letztlich selbst.
Es dämmert schon, als eine Gruppe junger Männer dem Ratskeller in Magdeburg zustrebt. Die schwarz gekleideten Mittzwanziger begrüßen sich, small-talken, scherzen, rauchen. Im Restaurant ist ein Raum mit 40 Plätzen für sie reserviert. Sie wollen an diesem Märzabend die Burschenschaft Germania Magdeburg gründen. Auch an der Universität der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt soll ein solches studentisches Netzwerk entstehen, das über Geschichte und Gesellschaft diskutiert, das rustikales Brauchtum pflegt. Und das seine Mitglieder auf Lebenszeit zu gegenseitiger Loyalität verpflichtet.
Gekommen sind dazu auch Abgeordnete und Angestellte der AfD im Landtag Sachsen-Anhalt, unter ihnen der bundesweit bekannte Abgeordnete Hans Thomas Tillschneider. Er hat die Patriotische Plattform in der AfD gegründet und wird im Ratskeller die Festrede halten. Mit am Tisch sitzen sein Fraktionskollege Jan Wenzel Schmidt, dessen Mitarbeiter Stefan Träger – der zur Bundestagswahl 2009 für die NPD kandidiert hatte –, weitere Abgeordnete und mindestens sieben Mitarbeiter der AfD.
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