Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,
liebe Barmbekerinnen und Barmbeker

Gemeinsam mit euch setzen wir heute erneut ein Zeichen gegen rechte Ideologien und den sogenannten "rechten Lifestyle" – kein neuer Bezugs- und Treffpunkt für die Rechte Szene in Barmbek!

Für alle, die uns nicht kennen, dass HBgR wurde 2002 als kontinuierlich arbeitendes Bündnis gegen das Erstarken der extremen Rechten gegründet.

Bei uns ist Platz für alle, die fremdenfeindliche, rechtsextreme, antisemitische und rassistische Äußerungen, Gewalttaten und Anschläge sowie menschenverachtende Hetze, Terror und Mordtaten der Faschisten nicht länger dulden wollen. Das Hamburger Bündnis gegen Rechts besteht aus unabhängigen antifaschistischen Zusammenhängen, Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen. Wir sind vor allem dann präsent, wenn faschistische oder rassistische Organisationen die Öffentlichkeit suchen.

Wir sagen: In unserer Stadt ist kein Platz für Nazis – Nicht in der Bürgerschaft, nicht in den Betrieben, nicht in den Stadtteilen – und kein Platz für Nazi Läden in Barmbek!

Seit Nordic Company hier in der Fuhle vor zweieinhalb Monaten diesen Laden aufgemacht hat, habt ihr schon eine Menge auf die Beine gestellt – und eure Kreativität unter Beweis gestellt. Wir möchten an dieser Stelle nur die regelmäßig stattfindenden Mahnwachen beispielhaft erwähnen.

Es ist euch gelungen, an eine gute Barmbeker Tradition anzuknüpfen: Barmbek sagt NEIN – wie am 1. Mai 2008, als wir gemeinsam den Naziaufmarsch in Barmbek verhindert haben!

Und jetzt sagt Barmbek NEIN zu Nordic Company, dem Thor Steinar Laden für Nazis. Der muss raus aus der Fuhle.

Erinnern möchten wir an dieser Stelle an die Auseinandersetzung mit dem Nazi-Klamotten-Unternehmen "Thor Steinar" in der Hamburger City: Am 25. Oktober 2008, nur vier Wochen nach der Eröffnung, musste der "Breivik" Laden allerdings wieder schließen. Vorangegangen waren tagtägliche Kundgebungen und Proteste von Hamburger Antifaschistinnen und Antifaschisten und dem "Hamburger Bündnis gegen Rechts" gegen den Verkauf von Nazimode. Der kontinuierliche Protest, der genauso hier in Barmbek stattfindet, ist die richtige Entscheidung!

Ein Gewöhnungseffekt soll sich gar nicht erst breit machen, und Ihr steht damit in einer guten Tradition:

2008 hat das Antifaschistische Bündnis in Bergedorf gegen den Tattoo Laden „Celtic Tattoo“ mit einer gelungenen Intervention dafür gesorgt, dass die Thor Steinar Klamotten aus den Regalen rausgenommen wurden
2011 wurde der Neonazi Laden „Sportsfreund“ in Bremen, der 2006 eröffnete, nach der erfolgreichen und bunten Protest-Kampagne ab 2008 - 2011 geschlossen.
Einen richtig langen Atem haben die Glinderinnen und Glinder bewiesen, die 5 Jahre lang tagtäglich eine Mahnwache vor dem dortigen Tonsberg Laden, der ebenfalls die Modemarke Thor Steinar vertreibt, abgehalten haben – unseren Respekt für die Bürgerinitiative „Glinde gegen Rechts“ und das Jugendbündnis „Glinde Nazifrei“
2016 musste der Thor Steinar Laden in Norderstedt nur zwei Stunden nach der Eröffnung wieder dichtmachen – auf den braunen Sumpf hatten unsere nördlichen Nachbarinnen und Nachbarn offensichtlich keine Lust und auch die Stadt Norderstedt sorgt mit juristischen Mitteln dafür, dass der Laden weiterhin geschlossen bleibt
Übrigens haben Antifaschistinnen und Antifaschisten auch dafür gesorgt, dass schon vor Eröffnung des Thor-Steinar-Ladens in der HH-Innenstadt zwei andere Naziläden ("Odin und Freya" in der Talstraße (2005-2006) und "Unbreakable Streetware" von den gleichen Betreibern Februar bis Oktober 2007) zumachen mussten

Dies sind gute Beispiele, dass der anhaltende Protest schließlich zum Erfolg führen kann!

Antifaschistische und Antirassistische Arbeit wird aber auch an anderer Stelle nötig sein:

Im September findet die Bundestagswahl statt und auch die Hamburger AfD wird Wahlkampf im öffentlichen Raum machen.

Im Bundestagswahlkampf 2009 konnten wir mit der wochenlangen Kampagne „Brauner Sack“, dafür sorgen, dass kaum ein Infostand der damals noch stärkeren NPD ohne Proteste stattfinden konnte. Daran knüpften wir auch 2013 wieder an. Inzwischen hat die hetzerische und rassistische AfD in vielen Parlamenten Einzug gehalten.

Die AfD ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Rechtsbewegung, die nach politischer Vormachtstellung strebt und in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Ideologien der Ungleichheit vertritt. Sie bedient auf vielfältige Art und Weise rassistische Vorurteile und sorgt mit inszenierten Tabubrüchen gezielt dafür, dass reaktionäre Ideen salonfähig werden.

Die AfD ist dabei jedoch nur Teil eines gesellschaftlichen Klimas, in dem rassistische Gewalt zunehmend zur Normalität wird, in dem Unterkünfte von Geflüchteten angegriffen und in dem Menschen von Rassistinnen und Rassisten beleidigt, tätlich angegangen und verletzt werden. Ideologien der Ungleichheit wie Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Sexismus sind keine Phänomene des rechten Rands. Sie werden von Menschen aller politischen Spektren in Deutschland geteilt. Damit ist diese Enthemmung mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und über die Demagogie der AfD aufzuklären hat sich im Sommer 2016 „Aufstehen gegen Rassismus“ als ein bundesweites Bündnis aus verschiedenen Organisationen, Parteien und Verbänden gegründet. Auf Initiative des Hamburger Bündnis gegen Rechts gründete sich im Herbst 2016 „Aufstehen gegen Rassismus“ Hamburg als lokale Kampagne gegen Rassismus und die AfD.

„Aufstehen gegen Rassismus“ will einen Beitrag zu einer breiten gesellschaftlichen Bewegung gegen die AfD, rechtes Denken und die rassistischen Verhältnisse leisten. Die Kampagne will Menschen ermutigen und darin unterstützen, selbst gegen dieses menschenverachtende Denken und Handeln aktiv zu werden - sowohl am "Stammtisch“ als auch überall dort, wo Menschen zusammenkommen.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die AfD-Propaganda konsequent im diesmal blauen Müllsack entsorgt wird.

Unsere Alternative heißt Solidarität!

Die AfD versucht, ihrer menschenverachtenden Ideologie den Anschein von Normalität zu geben – den müssen wir ihr nehmen! Und genau so müssen wir dem Nordic Company Laden hier in Barmbek die Möglichkeit nehmen, sich als Normalität zu etablieren.

Allein im letzten Jahr hat es über 3.500 Angriffe auf Geflüchtete und die Unterkünfte von Geflüchteten gegeben und nun erdreistet sich Nordic Company, Thor Steinar T-Shirts zu verkaufen, mit denen das massenhafte Sterben im Mittelmeer verhöhnt wird: so ist als Aufdruck unter anderem zu lesen: „Steinar Küstenwache - Sektion Wassersport“

Wir fordern: Ladenschluss für Thor Steinar – Naziladen raus aus dem Viertel!

Wir stehen solidarisch mit den Barmbekerinnen und Barmbekern zusammen und möchten zum Schluss noch einmal betonen, wie beachtlich es ist, wer sich hier gemeinsam an den Aktivitäten gegen den Laden beteiligt, die Anwohnerinnen und Anwohner, die Gewerbetreibenden, die IG Fuhle, der Barmbeker Ratschlag, die Barmbeker Initiative gegen Rechts, die Antifa 309, der Bezirksamtsleiter sowie die Bezirksversammlung Hamburg-Nord.

Wir danken den Veranstaltern der heutigen Demonstration, dass sie dem Protest einen Rahmen geben & allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die diesen Tag zu einem Erfolg machen.

Vielen Dank!