Zeit-online, Kai Biermann, Philip Faigle, Astrid Geisler, Karsten Polke-Majewski und Martín Steinhagen

Sie wollen als neue Jugendbewegung erscheinen. Deswegen reist ein kleines Grüppchen Identitärer durchs Land – und versucht seine rechtsextreme Herkunft zu verschleiern.
In einem Dorf bei Erlangen weht hinter dem Fahrradstellplatz im Garten eines Siedlungshauses eine Deutschland-Fahne. Am Briefkasten klebt unter dem Schild "Keine Werbung" ein schwarzes Lambda: das Symbol der Identitären Bewegung. Hier wohnt Nils Altmieks. Er hat den deutschen Ableger des Vereins gegründet, der sich als "Europas am schnellsten wachsende Jugendbewegung" feiert.
Ein struppiger Familienhund wedelt um seine Beine, als der 30 Jahre alte Bauingenieur auf die Hofeinfahrt tritt. Altmieks bittet nach drinnen, die Treppe hinauf in den ersten Stock des Zweifamilienhauses. Das Wohnzimmer ist liebevoll dekoriert mit Zierkissen, Kletterpflanzen und Identitären-Abzeichen. Ein Lambda baumelt am Wandspiegel, selbst der Spritzschutz hinter dem Herd der offenen Küche ist mit dem Symbol geschmückt. In einer Holzwiege schläft die Tochter, der junge Vater ist gerade in Elternzeit. "Wir sind ganz normale Familien und Jugendliche", sagt Altmieks. Er wirkt erfreut, von seiner politischen Arbeit erzählen zu können.
Es läuft gerade gut für die Identitären. Berlin, Köln, Dresden: Aktivisten der Organisation verschaffen sich immer wieder Zugang zu prominenten Orten, sie klettern auf das Brandenburger Tor, hängen Großbanner am Kölner Hauptbahnhof auf oder am Antikriegsdenkmal vor der Dresdener Frauenkirche und verschwinden kurz darauf wieder. Bilder ihrer Aktionen vermarkten sie im Internet als Symbole des Widerstandes gegen die Flüchtlingspolitik. So erzeugt die Gruppe seit Monaten einen erstaunlichen Medienhype. Hip, frech und gewaltfrei wollen sie sein. Ein neues Greenpeace, nur eben für Patrioten. Kein bisschen rechtsextrem. Das ist die Eigen-PR.

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